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Geschichte

Historisches aus Rekingen

Vor etwa 2000 Jahren geriet unsere Gegend unter verstärkten römischen Einfluss. Am linken Rheinufer entstanden an strategisch wichtigen Punkten Festungen. Diese Stützpunkte waren durch Wachtürme miteinander verbunden. Über 80 solcher Türme soll es gegeben haben. In unserer Gegend waren es deren zwei.

Der eine stand ungefähr westlich der Villa des Direktors der Sodafabrik, bei welchem im Jahre 1936 das Fundament freigelegt, ausgemessen und auf einen Plan eingezeichnet wurde. Die Fundamentmauern wurden nachher wieder zugedeckt. Der andere Turm stand ungefähr 200 m östlich des Bahnhofes Rekingen. Beim Bau der Nordostbahn wurde dieser aber wahrscheinlich entfernt.

Bevor die Turnhalle im Jahre 1956 auf der „Höchi“ gebaut wurde, machte man Grabungen, da die Landeigentümer schon vorher erklärt hatten, es würden Mauerreste zum Vorschein kommen. Es wurden auch tatsächlich die Fundamente eines grossen römischen Gutshofes freigelegt, welcher in nordsüdlicher Richtung gebaut und 80 Meter lang und 35 – 40 Meter breit war. Auf der Nordseite war das Wohnhaus, daran schlossen sich die Wirtschaftsgebäude.

Das nötige Trinkwasser wurde von einer Quelle in den „Lettenwiesen“ bezogen. Bei einem Wegbau in jener Gegend fand man Tonröhren, die für die Wasserzuleitung benutzt wordenen waren. Es müssen hier einmal wohlhabende Leute gewohnt haben, denn es konnte festgestellt werden, dass im Wohnhaus eine Heizung vorhanden war, von der die warme Luft in Tonröhren in mehrere Räume geleitet werden konnte.

Ausserdem kamen römische Ziegelstücke mit dem Stempel der damals in Vindonissa stationierten 11. und 21. Legion zum Vorschein. Auch in den Unterwiesen fand man vor den Überbauungen Tonscherben, die auf Bautätigkeit hinweisen.

Bei älteren Rekingern ist diese Region zum Teil noch als „Römerbädli“ bekannt. Verschiedene Funde kamen in das Vindonissa Museum in Brugg.
Bei der Sportplatzerweiterung 1994 konnte zudem eine bronzezeitliche Siedlungsstelle freigelegt werden.

Alemannische Raubzüge dezimierten die Bevölkerung, welche sich hinter Kastellmauern zurückzog und nicht mehr wagte, auf das Land auszusiedeln. Während des Alemanneneinfalls im Jahre 260 dürfte auch der Gutshof in Rekingen abgebrannt sein, da der Mörtelboden von einer Brandschicht bedeckt war. Um 370 verstärkte man die Rheinbefestigungen zum letzten Mal.

Wegen der Bedrohung Italiens durch die Westgoten wurden 401/406 n. Chr. sämtliche verfügbaren Truppen von der Nordgrenze nach Italien zurückbeordert. Nach der Mitte des 5. Jahrhunderts befand sich kein römischer Soldat mehr nördlich der Alpen. Zurück blieb die verarmte romanisierte Bevölkerung. Jahrhunderte vergingen nach dem Ende der römischen Herrschaft, bis Menschen in unserem Raum wieder ein ähnlich hohes kulturelles Niveau erreichten.

Ab dem 5. und 6. Jahrhundert siedelten die Alemannen an freien Plätzen. Überreste von Häusern sind sehr spärlich, weil die Alemannen den vergänglichen Werkstoff Holz verwendeten. Zudem liegen die Reste frühmittelalterlicher Siedlungen unter heute bestehenden Strassen und Gebäuden. Als Zeugen der alemannischen Besiedlung erweisen sich die in einigen hundert Meter abseits der Siedlung gelegenen Gräber, welche im Zuge vermehrter Bautätigkeit zutage treten.

So auch in Rekingen, wo bei einem Leitungsbau nördlich des Bahnhofs 1980 drei alemannische Gräber gefunden wurden. Sie enthielten neben den Skeletten Schmuck und Waffen. Im Frühjahr 1993 konnte ein Steinkistengrab freigelegt werden. Es stellt insofern eine Besonderheit dar, als es von einem über 180 Zentimeter grossen Menschen stammt. Bei der gleichen Sondierung wurde auch ein Urnengrab entdeckt, das aufgrund von bronzezeitlichen Funden in die Zeit wischen 1500 und 1000 v. Chr. zu datieren ist. Stellenweise konnte eine sehr mächtige mittelbronzezeitliche Kulturschicht entdeckt werden, die allerdings nicht genauer untersucht wurde.

Im Laufe des Hochmittelalters erlangten die Grafen von Lenzburg, später die Kybur-ger, die hohe Gerichtsbarkeit über unsere Ansiedlung. Ab 1265 folgten die Habs-burger. Die älteste Urkunde, in der ein „Cuonrad von Rechunch“ als Gutsbesitzer und ein „Burcardus de Rechunch“ als Zeuge genannt werden, stammt aus dem Jahre 1261 und wird im Staatsarchiv in Aarau aufbewahrt.

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahre 1415 bildete Rekingen einen Teil des Amtes Ehrendingen, welches wiederum zur Grafschaft Baden gehörte. Während der Reformation trat der grösste Teil der Bürger von „Räckingen“ zur neuen Konfession über. Um zu verhindern, dass die ganze Gemeinde reformiert wurde, bauten die Brüder Rudolf von Schmid, Chorherr am Chorherrenstift zu Zurzach, und Jakob von Schmid, Pfarrer in Zug, im Jahre 1678 ein Wohnhaus mit Kapelle, welches eine bereits bestehende Kapelle ersetzte, die sich in schlechtem Zustand befand.

Von der „neuen“ Kapelle sind besonders erwähnenswert die beiden Glocken, die sich heute im Türmchen des Gemeindehauses befinden, und die acht Glasfenster mit biblischen Themen aus dem Alten und Neuen Testament von Adam Zumbach, welche von den katholischen Innerschweizer Orten und dem Bischof von Konstanz gestiftet wurden. Die Glasfenster gehören heute zur Ausstel-lung des Historischen Museums Schloss Lenzburg.

1879 wurde die Kapelle der Herren von Schmid aufgehoben und es folgten rund 100 Jahre, in denen Rekingen kein Gotteshaus mehr hatte. Erst 1980 konnte die alte Trotte zu einer ökumeni-schen Kapelle umfunktioniert werden und dient seither als Vorbild des öku-menischen Zusammenlebens vom Bezirk Zurzach.

Schule wurde je zwei Winter in Rekingen und einen Winter in Mellikon gehalten, und zwar in Privatwohnungen. Für die Heizung hatten die Schüler selbst aufzukommen. Im Jahre 1811 bauten die Reformierten ein Schulhaus. Es stand da, wo sich heute die Abzweigung nach Baldingen Böbikon befindet. Die katholische Bürgerschaft hatte zur Unterbringung ihrer Kinder das untere Stockwerk im Hause des Maurers Joh. Kappeler gekauft. Später stellte der Besitzer des Metzgerhofes, Stigeler, ein Zimmer gratis zur Verfügung, worauf das Stockwerk wieder verkauft wurde und der Erlös in einen Schulhausfonds gelegt wurde.

Im Jahre 1839 wies Stigeler die katholische Schule aus dem Metzgerhof. Sie musste sich ein neues Schullokal suchen. Das Bezirksamt forderte die Gemeinde auf, die beiden konfessionellen Schulen zu verschmelzen. Beide Konfessionen lehnten jedoch ab. Nachdem die katholische Schule schon längere Zeit keinen Lehrer hatte, verlangte die Erziehungsdirektion die Verschmelzung der beiden Schulen.

Am 20. Mai 1852 wurde mit grosser Mehrheit beider Konfessionen die Umwandlung der Schulen in eine Gesamtschule beschlossen. Vom Jahre 1915 an, als die Schweizerische Sodafabrik gebaut wurde, gab es einen grossen Zuwachs an Angestellten und Arbeitern mit Kindern, so dass das Schulzimmer zu klein wurde. 1917 kaufte die Gemeinde das Gasthaus „Zum eidgenössischen Kreuz“. Es wurde 1918/19 zu einem Schulhaus umgebaut, was damals Fr. 150'000.-- kostete.

Jedermann glaubte, die Gemeinde habe nun ein geräumiges Schulhaus auf Generationen hinaus. 1921 wurde die Gesamtschule in eine Ober- und eine Unter-schule aufgeteilt. Mitte der vierziger Jahre setzte eine grosse Bautätigkeit ein, was eine grosse Zahl von schulpflichtigen Kindern mit sich brachte, so dass im Schul-haus wieder Platzmangel entstand. 1954 kaufte die Gemeinde auf der „Höche“ 70 Aren Land. Im Mai 1955 wurde mit grosser Mehrheit der Bau eines neuen Schulhauses mit Turnhalle beschlossen.

1962 erwarb die Gemeinde für Schulhauserweiterungen angrenzend ein Stück Land. 1983 folgte das Mehrzweckgebäude mit zwei weiteren Schulzimmern. 1990 kaufte die Gemeinde Land im Gebiet „Ruchbuck“ um ein weiteres Schulhaus zu bauen. Im Dezember des gleichen Jahres genehmigten die Rekinger/-innen den Bau eines neuen Schulhauses für CHF 4'405’000.- und die Sanierung des Schulhauses „Ruchbuck“ samt Aussensportanlagen für CHF 1'270’000.-. 1992 konnte der Neubau bezogen werden. Damit erhielt Rekingen in einem Jahrhundert dreimal ein neues Schulgebäude.

Sehr augenfällig ist in Rekingen die Industrie, welche das Dorf von drei Seiten umgibt und in einem hohen Masse für die Verdrängung der Landwirtschaft verant-wortlich ist. So gibt es nur noch einen Haupterwerbs - Landwirtschaftsbetrieb.
Das älteste Industrieunternehmen war die Kalkfabrik. Sie nahm im Jahre 1864 ihren Betrieb auf und stand als Konkurrenz zu der aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammenden Gemeindeziegelhütte. 1989 wurde der letzte Kalk verkauft, seither steht die Fabrik still.

Am 4. Dezember 1914 wurde die Aktiengesellschaft „Schweizerische Sodafabrik“ gegründet. Am 1. März 1915 begann der Bau der Fabrik. In Zurzach trieb man ein Bohrloch zum Salzlager vor, von dort wurde die Sole durch eine unterirdische Leitung bis zur Fabrik gefördert. Mitte September 1916 konnte die erste Soda geliefert werden. Ausserdem stellte man feste und flüssige Natronlauge her. Nach dem Kriege trat auf dem Sodamarkt eine grundlegende Änderung ein. Die ausländische Konkurrenz, die während des Krieges die Einfuhr in die Schweiz gesperrt hatte, trat erneut in Aktion und die Sodafabrik musste viel höhere Kohlepreise bezahlen als ihre ausländische Konkurrenz, was sich auf den Sodapreis niederschlug.

1919 erliess daher der Bundesrat eine Verordnung, wonach die Einfuhr von Soda aus dem Ausland eine Bewilligung des Bundesrates benötigte. Im Jahre 1920 musste die Fabrik für ein halbes Jahr die Fabrikation einstellen und viele Arbeitnehmer wurden entlassen. Anfang 1921 ging die Fabrik an die Firma Solvay in Brüssel über. Die neue Eigentümerin modernisierte die Fabrik. Von 1940 bis 1945 wurde die Fabrik durch drei Nuebauten erheblich vergrössert. In diesen Anlagen wurde die Herstellung von Chlor, Tri, Per und anderen chemischen Produkten aufgenommen.

1963 begann die Herstellung von Eisenchlorid. 1984 wurde die Elektrolyse modernisiert. Drei Jahre später – nach über 70jährigem Betrieb - wurde die Fabrikation von Soda im Werk Zurzach eingestellt. Die Solvay stellt heute verschiedene Basisprodukte für die chemische Industrie her.
Mitte 1975 nahm die Cementfabrik Holderbank AG (HCB), heute Holcim, ihren Betrieb auf. In Rekingen wurde NORMO 4, ein für fast alle Betonanwendungen geeigneter Portlandzement produziert. 1995 stellte die HCB ihre Produktion in Rekingen ein.

Die Firma LGZ (Logistik- und Gewerbezentrum Hochrhein) ist die Jüngste der grossen Unternehmen, sie wurde erst im Jahr 2001 gegründet und hat per 1.1.2002 ihren Betrieb in Rekingen aufgenommen. Diese Firma übernahm die Liegenschaft mit den Gebäulichkeiten der im Jahre 1995 stillgelegten Cementfabrik Holderbank AG.

Quellen:
Chronik von Rekingen von Arnold Spühler 1964
Chronik von Rekingen von Christopf Herzig 1995

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